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bine
Anmeldungsdatum: 07.12.2004 Beiträge: 10 Wohnort: 33803 Steinhagen Arten: Testudo graeca NZ 2002
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Verfasst am: Sa 01 Jan, 2005 16:26 Titel: Armer dicker Knut! |
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Hallo ihr lieben Leute - euch allen ein frohes Neues Jahr!
Seit Tagen beschäftige ich mich jetzt intensiv mit der Studie der Beiträge in diesem Forum (bin total begeistert!) und inzwischen habe ich auch das Buch von W. Wegehaupt durchgelesen. Nachdem ich dank Eva mit grossem Entsetzen davon erfahren habe, dass meine Maurische Schildkröte Knut (NZ August 2002) zu dick ist, bin ich in grosser Sorge!Vorab möchte ich folgendes "gestehen": ich war bisher noch nicht beim schildkrötenerfahrenen Tierarzt, weil erstens dachte ich, Knut und Hilde sind gesund und zweitens befindet sich im Umkreis von 100km kein solcher Arzt! Ausserdem ist es so, dass die Beiden (Hilde ist auch eine maurische, NZ 2002) bisher in einem geschlossenen Terrarium (100x40x60cm) gelebt haben und maßgeblich mit Feldsalat, Löwenzahn und Salatherzen ernährt wurden (und Eierschalen für die Kalkversorgung). Mein Mann und ich sind auf fast jeden dummen Anfängerfehler reingefallen und wurden rundherum schlecht beraten, sowohl vom Zoohändler, als auch durch die Bücher aus der Buchhandlung. Zuerst war Knut auch allein, denn man sagte uns, dass sei besser so. Hilde haben wir dann aber dazu gekauft und das war eine erste gute Entscheidung. Ausserdem haben wir seit einem Jahr Licht und Wärmestrahler so aufgerüstet, wie es die Profis (sprich IHR! ) raten. Wir können die Beiden erst in ca. ein bis zwei Jahren ins Freilandgehege bringen, da wir erst dann unser Haus bekommen. Das ist misslich, aber jetzt leider nicht zu ändern. Um den Tieren etwas Freiraum zu geben, haben wir nun ein OFFENES 150x60x40cm großes Aquarium bestellt (wir wissen, dass das trotzdem nicht artgerecht ist, aber s.o.!).
Wir werden nach unseren neuen Erkenntnissen nun natürlich auch die Ernährung umstellen, Agrobs bestellen, Heu zufüttern etc. Ich werde auch zum Tierarzt gehen- versprochen! ABER: WAS SOLL ICH JETZT MIT KNUT MACHEN, der mit 180 Gramm deutlich zu fett ist? Wie kriege ich das Gewicht herunter, oder wie schaffe ich es, dass er nicht weiter zunimmt?
Ihr könnt mir glauben, hätte ich gewusst, dass die Tiere nur langsam wachsen sollen, hätte ich mich nie und nimmer über jedes neue Gramm auf der Waage so gefreut...
Bitte gebt mir euren fachkundigen Rat! Wird Knut Folgeschäden behalten?
Danke im Vorraus für eure Mühe!
Liebe Grüße von der bine* _________________ Nie mehr ohne Schildkröten! |
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Aischa
Anmeldungsdatum: 22.10.2004 Beiträge: 4450 Wohnort: Passau Arten: T. horsfieldii, T. graeca nabeulensis und Europäische Landschildkröten
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Verfasst am: Sa 01 Jan, 2005 20:30 Titel: Re: Armer dicker Knut! |
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Hallo Sabine
Zuerst einmal freut es mich sehr, daß ihr beiden die neuen Erfahrungen auch umzusetzen versucht.
Als kleinen Trost kann ich Euch eines bestätigen: wir alle (auch die "Profis") haben mal angefangen und sind sicher der einen oder anderen Falschinformation auf den Leim gegangen. Davor ist wohl kein Anfänger gefeit, denn er kann ja nicht beurteilen, was "richtig" und was "falsch" ist.
| bine hat folgendes geschrieben: | | .....dass meine Maurische Schildkröte Knut (NZ August 2002) zu dick ist, bin ich in grosser Sorge! |
Dein Knut ist sicher nicht zu dick. Kleine, noch wachsende Schildkröten setzen die aufgenommene Energie nicht in Fettpölsterchen um, sondern sie wachsen dann halt schneller. Das ist leider bei allen Reptilien so, denn sie haben nicht, wie Säuger oder Mensch, genetisch festgelegte und dem Alter entsprechende Entwicklungsphasen.
Demzufolge ist Dein Knut (und Hilde leider auch etwas) für sein Alter zu groß. Welche Folgen das zu schnelle Wachstum hat, habe ich ja schon aufgeführt.
| Zitat: | | Ausserdem ist es so, dass die Beiden (Hilde ist auch eine maurische, NZ 2002) bisher in einem geschlossenen Terrarium (100x40x60cm) gelebt haben... |
Vor allem das geschlossene Terrarium, womöglich auch noch im mollig warm beheizten Wohnzimmer aufgestellt, ist der springende Punkt bei der Sache. Reptilien als Wechselwarme wachsen temperaturabhängig. Je wärmer desto schneller, denn der gesamte Stoffwechsel wird durch hohe Temperaturen angekurbelt.
Das, was in einem geschlossenen Terrarium fehlt, sind zwei Dinge:
-eine wärmere und auch eine deutlich kühlere Zone. Im geschlossenen Raum verteilt sich die Wärme sehr gleichmäßig. Für Tiere aus dem tropischen Raum (Äquatornähe) ist das erwünscht, nicht aber für Tiere aus gemäßigteren Zonen, wie dem Mittelmeerraum.
-eine deutliche nächtliche Temperaturabsenkung auf unter 20°C. Nachts 15 - 18°C wären wünschenswert.
In einem oben offenen Terrarium hat es größere Temperaturunterschiede, wenn es nicht insgesamt zu klein ist. Dadurch werden die Tiere gewissermaßen auch gezwungen, sich in kühleren Bereichen aufzuhalten. Das wiederum bremst ihren Stoffwechsel und sie wachsen langsamer. Dazu muß aber das Terrarium an einem nicht zu warmen Ort setehen, z. B. in einem unbeheizten Schlafzimmer am Fenster. Auch ein Wintergarten ist ideal. Wichtig ist dabei, daß gleichzeitig möglichst viel Tageslicht ins Terrarium kommt, denn Tageslicht ist mit keinem noch so guten Strahler zu ersetzen.
Eines darf man jedoch auf keinen Fall machen: die Tiere bewusst zu kühlen Temperaturen aussetzen, damit sie langsamer wachsen. Das wäre das Pferd von hinten aufgezäumt und hinterläßt bei den Schildkröten genauso Schäden, wie wenn sie zu warm gehalten werden. Tagsüber warm genug, nachts kühl genug aber nicht eiskalt, daraus ein gesundes Mittelmaß. Man kann durchaus auch mal "Schlechtwettertage" simulieren, in dem man den Wärme-Strahler abschaltet und/oder ein Fenster öffnet.
| Zitat: | | Hilde haben wir dann aber dazu gekauft und das war eine erste gute Entscheidung. |
Aus Sicht mancher Leute war es vielleicht eine gute Entscheidung.Vor allem aus Sicht des Verkäufers. Ich sehe dabei jedoch einige Probleme: Hilde (wenn es tatsächlich ein Weibchen sein sollte) wird sich durch die bald einsetzende "Pubertät" und anschließende Geschlechtsreife von Knut sehr bedrängt fühlen, denn in einem Terrarium hat sie für einen paaarungseifrigen Mann zu wenig Ausweichmöglichkeiten, um ihm aus dem Weg gehen zu können. So sitzt sie quasi auf dem "männlichen Präsentierteller". Kein sehr verlockender Gedanke. Manche Männchen beginnen mit den ersten Paarungsversuchen schon mit einem Alter von 3 - 4 Jahren. Wenn sie zu schnell gewachsen und folgedessen schon größer sind, manchmal auch schon früher. Sollte Hilde doch ein Männchen sein, wird ihn der größere Knut mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu dominieren versuchen. (Typisch Mann halt, der seine eigenen Gene immer durchzusetzen versucht.... ) Er steigt u. U. immer wieder bei Hilde von hinten auf und deutet eine Paarung an. Ein Verhalten, das z. B. bei Hunden gut bekannt ist und die Rangordnung klären soll. Hunde sind aber Rudeltiere, in deren Erbgut es genetisch festgelegt ist, daß sich der Schwächere fügt. Nicht so bei Schildkröten. Es kommt also sehr auf die individuelle Durchsetzungsfähigkeit an, ob das nach kurzer Zeit geklärt ist oder aber für das unterlegene Tier den Super-Dauerstress bedeutet, weil auch hier wieder die Ausweichmöglichkeiten fehlen. In einer wissenschaftlichen Arbeit gibt der Autor an, daß 4 Schildkröten (Europäische LS) im Naturbiotop etwa einen Raum von einem Hektar benötigen.... Wie groß war doch gleich wieder Dein neues Terrarium?....
| Zitat: | | Wie kriege ich das Gewicht herunter, oder wie schaffe ich es, dass er nicht weiter zunimmt? |
Wenn Du das oben Geschriebene richtig umsetzt, dann siehst Du sicher schon selber, daß Knut weder abnehmen darf, noch nicht nicht weiter zunehmen darf. Er muß weiterwachsen, aber jetzt halt sehr langsam.
| Zitat: | Wird Knut Folgeschäden behalten?
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Das kann man auf die Ferne leider nicht beurteilen. Das muß sich ein Fachtierarzt ansehen. Aus meiner Erfahrung heraus werden aber immer zumindest leichte Folgeschäden bleiben. Eine Empfindlichkeit der Nieren, zu poröse Knochen, evtl. auch zu schwach ausgebildete Gelenke. Meist ist auch die Panzerform nicht ganz korrekt, das läßt sich auf keinen Fall mehr ändern. Halte Dich am besten an die Anweisungen Deines schildkrötenerfahrenen Tierarztes. Die Ernährung hast Du ja schon umgestellt. Eine Haltungsumstellung hast Du vor. Prima! Du bist also auf dem besten Weg, das Leben Deiner Schildkröten zu verbessern. Mehr kannst Du nicht machen. Informiere Dich weiter so gut wie möglich und versuche es möglichst gut umzusetzen. Frag ruhig, wenn Dir was spanisch vorkommt, dafür sind Foren ja da!
Schöne Grüße und viel Erfolg
Eva _________________
Leiterin der Interessengemeinschaft Nordafrikanische Landschildkröten bei der DGHT.
www.t-hermanni.de , www.nabeulensis.de , www.horsfieldii.de.vu , www.evastierparadies.de
Bitte keine PN! Mails bitte nur an ; Bilder bitte nur an:  |
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